Mir geht's nicht so gut privat

Schön, dass du hier bist. Über Belastendens zu reden tut gut. Diese Gesprächstipps helfen dir dabei.

Wir alle sind manchmal ängstlich, unkonzentriert, wütend, lustlos oder traurig – das ist normal. Wenn Beziehungsstress, Familienzoff oder andere Sorgen andauern, kann alles zu viel werden.

Hast du schon längere Zeit

  • Schlafprobleme, weil nachts das Sorgenkarussell dreht
  • dauernd Streit wegen Kleinigkeiten
  • fühlst du dich antriebslos und traurig oder
  • wird dir einfach alles zu viel?

Dann ist es Zeit, etwas zu unternehmen.

Reden hilft

Über Probleme, Ängste und negative Gefühle zu reden ist der erste Schritt zur Besserung. Tust du nichts, werden die Sorgen immer drängender und du kannst ernsthaft krank werden. Es ist darum wichtig, darüber zu reden, wenn es dir nicht gut geht.

Gespräche entlasten und geben Kraft

Gespräche allein lösen keine Probleme in Luft auf. Aber sie entlasten und sie machen möglich, dass du Hilfe bekommst oder wieder Hoffnung schöpfst.

Es ist normal, dass du dich unsicher fühlst

Viele Menschen haben Angst, über persönliche Probleme zu sprechen. Vielleicht, weil sie fürchten, als Spinner oder Versagerin zu gelten. Es ist aber ein Zeichen von Stärke, wenn man auch über Schwächen spricht. Und: Oftmals spürt dein Umfeld vielleicht schon, dass etwas nicht gut ist, getraut sich aber nicht, dich darauf anzusprechen. Da hilft es, wenn du den ersten Schritt wagst.

«Ich hatte immer wieder die gleiche Szene gesehen. Das hat mich fertiggemacht»

Stefan (Quelle Institut Kinderseele Schweiz)

«Ich hab gelernt, dass Krisen schwächer werden, wenn man darüber redet.»

Momo (Quelle: www.reden-kann-retten.ch)

Gespräch herbeiführen

Such dir jemanden, dem du vertraust

Das kann jemand im nächsten Umfeld sein, muss aber nicht. Manchmal fällt es leichter, mit jemandem zu sprechen, der etwas Abstand hat, zum Beispiel mit einer Kollegin aus dem Verein oder einem Nachbarn.

Überleg dir einen geeigneten Zeitpunkt

Gespräche mit Tiefgang nehmen Zeit in Anspruch. Beginn also kein Gespräch, wenn du oder dein Gegenüber nach 10 Minuten wieder los müssen. Manchmal hilft es zu fragen, wann die Person Zeit für ein Gespräch hat.

Ich möchte gerne in Ruhe mit dir reden. Wann hättest du mal Zeit?

Finde einen geeigneten Ort

Ihr solltet ungestört sein und euch beide wohlfühlen. Vielen Menschen fällt es im Gehen leichter, über schwierige Dinge zu sprechen. Allenfalls könnte ein Waldspaziergang eine gute Gelegenheit sein.

Begleitest du mich beim Spazieren?

Übrigens: Es muss nicht immer als erstes ein persönliches Gespräch sein. Wenn du zuerst einmal anonym einen Versuch machen möchtest, findest du am Ende der Seite geeignete Angebote und Adressen.

Tipps fürs Gespräch

Schamgefühle sind unnötig

Jedem geht es mal schlecht im Leben. Es ist ein mutiger und starker Schritt, dass du ein Gespräch suchst.

Vielleicht schweigt dein Umfeld aus Unsicherheit

Fragst du dich, warum es keinem deiner Freunde oder Familienmitglieder auffällt, dass es dir schlecht geht? Dahinter steht meistens nicht mangelndes Interesse oder Gleichgültigkeit. Viele Menschen haben Angst, sie könnten dir zu nahe treten oder dich verletzen, wenn sie dich auf mögliche Probleme ansprechen. Oder sie wissen einfach nicht, wie sie das Gespräch beginnen sollen.

Für dein Umfeld wird es einfacher, wenn du das Gespräch suchst

Wenn du über deine Gefühle sprichst und versuchst zu benennen, was dir helfen könnte, gibst du deinem Partner/deiner Partnerin, deiner Familie oder deinen Freunden eine Handlungsmöglichkeit.

Es ist OK, wenn es nicht klappt

Es ist möglich, dass dein Gegenüber nicht auf deinen Gesprächswunsch einsteigt. Auch wenn es nicht einfach ist: Nimm es nicht persönlich. Vielleicht ist die Person gerade mit etwas anderem beschäftigt oder fühlt sich überfordert. Frag, wann ein guter Moment wäre oder wende dich an eine andere Person.

Ok, das verstehe ich. Würde es dir ein anderes Mal besser passen?

Das ist wichtig im Gespräch

So kannst du anfangen:

In letzter Zeit fühle ich mich nicht so gut.

Mir geht es nicht besonders. Kann ich mal mit dir darüber reden?

Ich habe im Moment einige Probleme und es täte mir gut, wenn mir jemand zuhören würde.

Versuche, verständlich zu machen, wie es dir geht

Dein Gegenüber kann deine Gedanken nicht lesen und deine Gefühle nicht spüren. Je mehr du von dir erzählst, umso leichter fällt es deinem Gegenüber Verständnis zu entwickeln. Verstanden zu werden entlastet.

Schweigen aushalten

Im Gespräch über schwierige Situationen fehlen manchmal allen die Worte. Lass Pausen und Schweigen zu. Manchmal hilft auch die Aussage

Ich weiss jetzt auch grad nicht, was sagen

um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

Eigene Grenzen ernst nehmen

Wenn du spürst, dass es dir zu viel wird, kannst du das Gespräch jederzeit abbrechen. Du kannst sagen:

Ich merke, dass mir gerade alles zu viel wird. Ich würde lieber ein anderes Mal darüber sprechen.

Ärgere dich nicht über unbrauchbare Lösungsvorschläge

In der guten Absicht dir helfen zu wollen, macht dein Gegenüber vielleicht viele Lösungsvorschläge, die dir im Moment gar nicht weiterhelfen. Versuche, die gute Absicht hinter den Ratschlägen zu sehen. Du kannst sagen:

Du musst mir keine Lösungsvorschläge machen, es hilft nur schon, dass du mir zuhörst.

oder

Ich überlege mir, was du gesagt hast und komme darauf zurück, wenn ich das Gefühl habe, es könnte mir helfen.

Rückmeldungen geben

Du kannst davon ausgehen, dass dein Gegenüber unsicher ist, ob er oder sie sich im Gespräch richtig verhält. Sag, wenn du dich wohlfühlst, das erleichtert das Gespräch. Du kannst zum Beispiel sagen:

Es tut mir sehr gut, dass du mir zuhörst.

Erbitte praktische Hilfe, wenn möglich

Niemand kann auf Knopfdruck alle Probleme für dich lösen. Aber bereits kleine Dinge wie zum Beispiel Unterstützung im Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder ein gemeinsamer Kinobesuch können Erleichterung bringen. Wenn du weisst, was dir helfen könnte, dann sag es deinem Gegenüber: Zu wissen, wie man dich unterstützen kann, ist hilfreich.

Du musst nicht meine Probleme lösen. Wenn du mal für zwei Stunden die Kinder nimmst, hilft mir das auch.

Die Grenzen des Gegenübers akzeptieren

Im Idealfall triffst du bei deinem Gegenüber auf ein offenes und verständnisvolles Ohr. Es kann aber auch sein, dass die andere Person überfordert ist. Respektiere das. Vielleicht ist dies auch der Moment, dich an eine Fachperson zu wenden.

Nach dem Gespräch

Gespräche alleine helfen nicht immer

Mit den Menschen in deinem Umfeld zu sprechen ist sicher entlastend und wichtig. Aber oft ist es nicht genug.

Lass dich auf eine Fachperson ein

Geht es dir über längere Zeit nicht wieder besser, lass dir von einer Fachperson helfen. Vielleicht ist eine Erkrankung Grund für deine Probleme. Je früher du dann professionelle Hilfe suchst, desto rascher wirst du wieder gesund, denn psychische Erkrankungen sind behandelbar.

Die psychische Gesundheit pflegen

Die seelische Gesundheit kannst du stärken und deine Abwehrkräfte gegen Belastungen mobilisieren. Mögliche Impulse für dich:


Tip Bild

In Bewegung bleiben

30 Minuten Bewegung am Tag reichen. Steige eine Station früher aus, benutze die Treppe statt den Lift.

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Sich erholen

Ruhe gibt Kraft - Schaffe dir Raum für dich selbst, z.B. 5 Minuten Auszeit für Atemübungen, eine tägliche Velofahrt zur Arbeit oder ein wöchentlicher Saunabesuch können etwas bewirken.

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Kreativ denken

Kreatives Gestalten hilft, Gefühle zu verarbeiten. Du kannst es z.B. mit Singen, Kochen, Malen versuchen. Gestalte deinen Balkon oder dein Auto um. Baue ein Gartenhäuschen. Übe dich in Kalligrafie. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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In Kontakt bleiben

Nimm dir bewusst Pausen im Alltagstrott fürs Sozialleben. Verabrede dich mit Freunden, geh mit deiner Partnerin/deinem Partner in den Ausgang. Rufe eine Bekannte an.