Ich mache mir Sorgen um einen Mitschüler, eine Mitschülerin

Jemand in deiner Schule verhält sich anders als früher. Toll, dass dir das aufgefallen ist. Darüber reden hilft. Diese Gesprächstipps unterstützen dich dabei.

Stress in der Schule, mit Lehrern, Eltern und Kollegen oder mit dem eigenen Erwachsenwerden können krank machen.

Hast du beobachtet, dass eine(r) deiner Freunde über mehrere Wochen oder Monate

  • Mühe hat, in der Schule mitzukommen
  • Sich zurückzieht und nicht mehr mit in den Ausgang kommt
  • öfter die Schule schwänzt
  • häufig unkonzentriert ist oder gereizt reagiert
  • irgendwie verändert oder traurig wirkt?

Dann ist es Zeit, etwas zu unternehmen.

Reden hilft

Über Angst, Wut und andere negative Gefühle zu reden, ist der erste Schritt zur Besserung. Sprichst du deinen Kollegen darauf an, was dir an seinem Verhalten aufgefallen ist, hilfst du ihm, dass seine Sorgen nicht schlimmer werden.

Gespräche entlasten und geben Kraft

Gespräche allein lösen keine Probleme in Luft auf. Erwarte nicht, dass sich nach eurem Gespräch gleich alles verändert. Aber: Einen Freund zu haben, der zuhört, sich interessiert und mitfühlt, tut einfach gut.

Du brauchst die Probleme nicht lösen

Viele haben Angst davor, die angesprochenen Probleme lösen zu müssen. Das hält sie von einem Gespräch ab. Aber: Es käme dir ja auch nie in den Sinn, einen entzündeten Blinddarm zu entfernen. Genauso wenig wird erwartet, dass du eine Depression heilen kannst. Dein offenes Ohr und dein Interesse sind die Hilfe.

«Das Beste was man in einer solchen Situation als Freundin tun kann, ist darüber zu reden und sie ernst zu nehmen.»

Elea hat ihrer depressiven Freundin zugehört

«Wenn man einem Freund helfen will … und man selber nicht mehr weiter weiss, dann sollte man Hilfe holen, um etwas zu verändern.»

Ardit und seine Clique haben einem Freund geholfen

Gespräch herbeiführen

Beachte deine eigene Stimmung

Such das Gespräch dann, wenn du dich gut fühlst und es dir zutraust.

Überleg dir einen geeigneten Zeitpunkt

Gespräche mit Tiefgang nehmen Zeit in Anspruch. Beginn also kein Gespräch, wenn Du oder deine Freundin nach 10 Minuten wieder los müssen. Manchmal hilft es zu fragen, wann sie Zeit für ein Gespräch hat.

Ich möchte gerne in Ruhe mit dir reden. Wann hättest du mal Zeit?

Finde einen geeigneten Ort

Ihr solltet ungestört sein und euch beide wohlfühlen. Vielen Menschen fällt es in Bewegung leichter, über schwierige Dinge zu sprechen. Macht z.B. einen Spaziergang oder eine Velotour zusammen.

Wollen wir mal am See Glacé essen gehen?

Gehen wir zum Sportplatz? Wir könnten ein paar Körbe werfen.

Es ist OK, wenn es nicht klappt

Es ist möglich, dass dein Freund nicht auf deine Idee einsteigt. Nimm es nicht persönlich. Vielleicht fühlt er sich momentan nicht in Stimmung oder vielleicht muss sie erst Mut fassen. Versuch es später wieder.

Ok, das verstehe ich. Würde es dir ein anderes Mal besser passen?

Übrigens: Du kannst dich auch beraten lassen, wie du am besten vorgehen sollt. Wende dich an eine erwachsene Vertrauensperson, z.B. an der Schule, in deiner Familie oder im Jugendclub. Auch Rat + Hilfe 147 berät Freunde.

Das ist wichtig im Gespräch

So kannst du anfangen:

Ich mache mir Sorgen um dich, du wirkst in letzter Zeit unglücklich.

Es ist so schade, dass du nicht mehr mit in den Ausgang kommst. Geht es dir nicht so gut?

Ich hab den Eindruck, dich beschäftigt etwas sehr, magst du mir davon erzählen?

Zuhören ist das Wichtigste

Viele Leute haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Dabei tut es einfach gut, wenn jemand mal zuhört. Nimm dir für das Gespräch vor, dass du nachempfinden möchtest, was deine Freundin fühlt. Überlege dir gute Fragen statt nach Antworten zu suchen.

Was ist für dich grade besonders schwierig?

Wie fühlt es sich an, wenn du in der Situation bist?

Kannst Du sagen, was Dir im Moment gut tut?

Was müsste sich ändern, damit du dich besser fühlst?

Mitgefühl zeigen

Es tut gut, wenn man sich verstanden fühlt. So kannst du dein Mitgefühl ausdrücken:

Verstehe, das belastet dich.

Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht.

Schweigen aushalten

Im Gespräch über schwierige Situationen fehlen manchmal allen die Worte. Lass Pausen und Schweigen zu. Manchmal hilft auch die Aussage

Ich weiss jetzt auch grad nicht, was sagen.

um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

Eigene Grenzen ernst nehmen

Wenn du den Eindruck hast, dein Gegenüber brauche mehr Unterstützung, kannst du sagen:

Ich weiss da jetzt auch nicht weiter.

Möchtest du mal mit einem Profi sprechen?

Du findest passende Adressen am Ende dieser Seite. Das ist aber nicht immer nötig.

Weitere Hilfe nur anbieten, wenn du magst

Deine Aufmerksamkeit und Bereitschaft zuzuhören sind eine grosse Hilfe für deine Freundin. Es ist nicht schlimm, wenn es dabei bleibt. Wenn dir danach ist, kannst du praktische Hilfe anbieten, z.B. sie zu einem Gespräch mit einer erwachsenen Vertrauensperson begleiten. Oder du belässt es beim Zuhören:

Du kannst gerne wieder mit mir darüber sprechen, wenn Du magst.

Das solltest du vermeiden

Keine Schuldzuweisungen

Aussagen wie: «Entspann dich doch mal.» oder «Mach doch nicht so ein Drama draus.» sind nicht hilfreich. Gerade wenn dein Freund schon psychisch krank sein sollte, ist das nie eine Frage des Willens.

Keine Ratschläge und Tipps

Wir tendieren dazu, Lösungen anbieten zu wollen. Aussagen wie: «Du musst das nächste Mal einfach dies oder das machen» führen dazu, dass die Betroffenen sich unter Druck fühlen oder das Gefühl haben, man habe ihnen nicht richtig zuhört. Höre gut zu.

Nicht von eigenen Problemen sprechen

In der guten Absicht, Verständnis auszudrücken, sprechen wir manchmal von eigenen Problemen. Deine Freundin fühlt sich dadurch vielleicht nicht ernst genommen. Hast du selbst eine ganz ähnliche Situation erlebt, kannst du deine Erfahrungen natürlich teilen.

Keine Diagnosen stellen

Selbst wenn du vermutest, dein Freund hat eine spezifische Krankheit: Überlass die Diagnose einer Fachperson! Er fühlt sich sonst abgestempelt.

Keine Verniedlichungen

Sag nicht: «Das kommt sicher bald wieder gut» oder «Das geht vorbei». Durch solche Aussagen fühlen sich Betroffene nicht ernst genommen.

Dränge deine Freundin nicht

Gehe mit der Haltung ins Gespräch, dass du nicht mehr erfahren willst, als sie bereit ist zu erzählen. Respektiere, wenn sie das Gespräch abbricht. Du kannst es später wieder versuchen.

Gespräch beenden

Manchmal wird einem im Gespräch alles zu viel. Diese Sätze helfen dir, einen guten Gesprächsabschluss zu finden.

Ich glaube, im Moment kommen wir nicht weiter. Ist es für Dich ok, wenn wir über etwas anderes sprechen?

Jetzt weiss ich nicht mehr, was sagen. Wollen wir eine Runde gamen? Wir können gerne ein anderes Mal weiter darüber sprechen.

Nach dem Gespräch

Erfahrenes vertraulich behandeln

Sprich nicht über private Dinge aus dem Gespräch mit anderen Kollegen. Wenn du das Bedürfnis hast, mit jemandem darüber zu sprechen, dann sag nicht, um wen es geht, oder sprich mit deinen Eltern oder einer anderen erwachsenen Vertrauensperson (z.B. Gotti, Elternteil, Vertrauenslehrerin, Sporttrainer…).

Ausnahme: Ist dein Freund in Gefahr, hol dir sofort Hilfe

Spricht dein Freund z.B. davon, dass er sich jetzt dann umbringt, wenn es nicht besser wird oder wenn du erfährst, dass deine Freundin geschlagen wird oder etwas ähnlich Schlimmes, dann wende dich immer an eine erwachsene Vertrauensperson. Wenn du niemanden hast, ruf anonym bei Rat und Hilfe Telefon 147 an oder schreibe an 147. Sie beraten auch die Freunde von Menschen in der Krise. Wenn es um schlimme Sachen geht, tust du deiner Freundin keinen Gefallen, wenn du es für dich behältst.

Gib auf dich selbst acht

Mach nichts mit, wobei du dich unwohl fühlst. Es hilft niemandem, wenn du aus lauter Freundschaft selbst krank wirst. Nimm dir Zeit für deine eigenen Bedürfnisse und Interessen.

Tip Bild

In Kontakt bleiben

Regelmässige Kontakte helfen Menschen in schwierigen Situationen. Wenn du magst, kannst du dich später wieder melden. Es muss nicht jedes Mal ein tiefschürfendes Gespräch sein. Eine SMS, zusammen Sport treiben oder ein gemeinsamer Kinobesuch helfen viel.

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Um Hilfe fragen

Fühle dich nicht verantwortlich. Speziell enge Freunde überfordern sich manchmal mit dem Gefühl, sie müssten die Probleme lösen. Das könnte für dich zu viel werden. Wenn du das Gefühl hast, dass über längere Zeit keine Besserung eintritt, wende dich an eine erwachsene Vertrauensperson. Wenn möglich, überlege mit deinem Freund zusammen, wem ihr euch anvertrauen wollt.

Tip Bild

Sich selbst annehmen

Gerade, wenn es um einen engen Freund geht, fühlst du dich vielleicht teilweise mitschuldig an der Situation. Bei psychischen Belastungen spielen aber viele Faktoren mit. Niemals sind nur einzelne Personen dafür verantwortlich. Weil du das Gespräch gesucht hast, hast du ihm aber bereits einen Ausweg eröffnet.